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Hirschmattstrasse

Pulsader des Hirschmattquartiers

Ursprünglich führte ein Feldweg vom Kropftor am Hirschengraben zu den Gutshöfen auf der Rösslimatt und Amlehn. Entsprechend dem Namen des Gebietes südlich der Stadt hiess er Moosgasse. Erst auf dem „Grund-Riss der löbl. Stadt Lucern“ von 1765 tauchte erstmals die „Hirschmatt“ als Flurname auf.

In der Folge wurde die Moosgasse in Hirschmattweg umbenannt, im Stadtbauplan von 1987 wurde die Hirschmattstrasse als eine der Hauptverkehrsachsen des neuen Quartiers festgelegt. Dabei schöpften die Planer die erlaubte Maximalbreite von 18 Metern für die als Prachtstrasse angelegte Verbindung zwischen Altstadt und Bundesplatz aus. Ziel des Stadtplanes war es, Licht und Luft und Grünflächen zwischen den Häuserblöcken zu schaffen.

Blick vom Bundesplatz auf die (noch nicht geteerte) Hirschmattstrasse in einer Ansicht von 1910: Der grosszügig angelegte Boulevard wird nicht mehr von Linden, sondern von Kugelakazien gesäumt.

Allerdings wurde das Grün nicht von allen Anwohnern geschätzt. Die ursprüngliche Lindenallee an der Hirschmattstrasse musste schon bald einer bescheideneren Lösung weichen. In ein einer amtlichen Feststellung von 1903 heisst es: „Auf eine Eingabe von 9 Hausbesitzern an der Hirschmattstrasse wurde die dortige Allee von Lindenbäumen, weil der Anwohnerschaft Luft und Licht entziehend, durch eine Anpflanzung von Kugelakazien ersetzt.“ Und weiter zum Schicksal der Bäume: „22 Linden konnten auf dem Turnplatz des Pestalozzischulhauses und 8 Stück in die städtische Baumschule verpflanzt werden; der Rest mit 64 Stück wurde, weil schadhaft und zum Versetzen untauglich, umgehauen.“

Heute sind die Immissionen entlang der Hirschmattstrasse anderer Art. Der hauptsächliche Kampf des Quartiervereins gilt heute der Erhaltung von Wohnraum und der Wohnlichkeit. Heute leben im Quartier fast keine Familien.

Das Haus an der Hirschmattstrasse 37 ist übrigens eines der ältesten Gebäude im Quartier. Es entstand schon 1889, also acht Jahre vor der Reissbrettplanung durch die Stadtbauplaner, damals als viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus im spätklassizistischen Baustil. Auffallend ist der Mittelrisalit gegen die Hirschmattstrasse. 1912 wurde das Haus um ein weiteres Geschoss sowie um ein Dachgeschoss aufgestockt und im Schweizer Heimatstil umgeformt. Die Schaufensterfront stammt vermutlich aus den Sechzigerjahren. 2010 und 2011 wurde das Gebäude saniert.

Luzern als Barackenstadt: Blick vom Inselihof (Hirschmattstrasse 29, Restaurant Basilico) über den Anbau der Wirtschaft zum Biregghof gegen die Gasfabrik und das Bahnhofareal. Das Bild wurde 1896 aufgenommen und zeigt sowohl den alten Bahnhof als auch den neuen (zu erkennen an der Kuppel hinter den Merkur-Wohnbauten). Links neben dem Wasserturm ist die Villa Luise zu sehen, wo heute das Nationalbankgebäude mit der Sammlung Rosengart steht.

1896, als sich die Grundzüge des Stadtbauplan bereits abzeichneten, entstand auch die Wirtschaft zum Biregghof an der Habsburgerstrasse 16 (ab 1904 als Hotel Nidwaldnerhof & Britannia, von 1907 bis 1992 als Hotel Simplon bekannt). Das Bild zeigt den Anbau des Biregghofs vom „Inselihof“ aus, dem Gebäude an der heutigen Hirschmattstrasse 29 (Restaurant Basilico), das zum gleichen Blockrandgeviert gehört wie die Hirschmattstrasse 37.

Gegenüber der Hirschmattstrasse 37 – an der Hirschmattstrasse 56 – ist ein typischer Bau mit moderaten Jugendstil-Elementen zu sehen. Die modernen Gebäude der Sechzigerjahre (rund um das Publicitas-Haus auf der einen und das Securitas-Haus auf der anderen Seite) befinden sich weiter unten an der Hirschmattstrasse.



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