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Grandeur für Obdachlose

Im März 1900, als das Hotel Helvetia eröffnet wurde, berichteten die Zeitungen in Luzern, dass das neue Hotel künftig von den Guttemplern als „alkoholfreies Volkshaus“ betrieben werde. Damals expandierte der noch junge Guttempler-Orden, der sich einer „Lebensweise frei von Alkohol und anderen Drogen“ verschrieben hatte, rasch in der ganzen Schweiz. 1905 zählte er bereits 114 Logen mit 3000 Mitgliedern.

Das Hotel Helvetia in seiner Blütezeit, vorne das Helvetiagärtli, hinten am Ende der Häuserzeile das Vorgängerhaus der heutigen Moosstrasse 15.

Damit war das Helvetia, das von Anfang an als Hotel betrieben wurde, nicht allein. Im November 1900 vermeldeten die Zeitungen, dass im Haus Walhalla an der Theaterstrasse ein grosses alkoholfreies Restaurant eröffnet worden sei. Aus diesem entstand später das Bistro Du Théatre, das noch lange mit dem gleichen Zweck betrieben wurde.

Das Hotel Helvetia wurde 1900 vom Baugeschäft E. Felder & Cie. auf eigene Rechnung erbaut. Es bildete das markante Eckhaus an der privilegierten Lage vor dem Helvetiagarten und ist ein typisches Beispiel für die Architektur der Jahrhundertwende. In den Fünfzigerjahren, so vermutet Peter Omachen in „Luzern – eine Touristenstadt“ (2010), wurde die Fassade leicht „purifiziert“, das heisst von Fassadenschmuck – vor allem den ursprünglichen Klebsäulen – befreit. Ansonsten ist das Gebäude weitgehend in seinem Originalzustand erhalten.

Ursprünglich war es als Wohnhaus mit Restaurant geplant und bewilligt worden. Wegen der grossen Nachfrage nach Fremdenverkehrsbetten wurde es aber schon bei seiner Eröffnung als Hotel genutzt. Noch weit in den Ersten Weltkrieg hinein, als die meisten Gasthäuser bereits den Betrieb eingestellt  hatten, diente es als Hotel und wurde erst 1917 umfunktioniert – in eine Notunterkunft für Obdachlose. Das Restaurant blieb auch in dieser Zeit offen. Seit 1923 wird das Haus als Wohn- und Geschäftsgebäude mit Restaurant genutzt.

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